Parasiten bei Hunden und Katzen: Regionale Unterschiede in Deutschland
Parasiten gehören zu den häufigsten Gesundheitsrisiken für Hunde und Katzen. Doch ihre Verbreitung ist in Deutschland keineswegs überall gleich. Während manche Parasiten bundesweit vorkommen, zeigen andere regionale Schwerpunkte. Auch das Klima, die Landschaft, die Jahreszeit und die Lebensweise eines Tieres beeinflussen das Infektionsrisiko.
Wissenschaftliche Untersuchungen zeigen beispielsweise, dass sich bestimmte Zeckenarten inzwischen über nahezu ganz Deutschland ausgebreitet haben. Gleichzeitig werden einzelne Wurmarten in manchen Regionen häufiger nachgewiesen als in anderen.
Entscheidend ist jedoch: Ein nachgewiesener Parasit in einer Region bedeutet nicht automatisch, dass jedes dort lebende Tier ein hohes Infektionsrisiko hat. Umgekehrt sind auch Gebiete ohne bekannte Häufung nicht zwangsläufig parasitenfrei.
Dieser Beitrag erklärt, welche regionalen Unterschiede wissenschaftlich dokumentiert sind, wo die Datenlage noch lückenhaft ist und wie Hunde- und Katzenhalter ihre Tiere angemessen schützen können.
Warum unterscheiden sich Parasiten regional?
Die Verbreitung von Parasiten hängt von mehreren Faktoren ab.
Klima und Temperatur: Zecken, Mücken und andere Überträger benötigen bestimmte Umweltbedingungen. Temperatur und Luftfeuchtigkeit beeinflussen ihre Entwicklung und Aktivität.
Landschaft und Vegetation: Wiesen, Waldränder, Feuchtgebiete und Gärten bieten unterschiedlichen Parasiten geeignete Lebensräume. Besonders bei Zecken können bereits kleinräumig deutliche Unterschiede bestehen.
Wildtierpopulationen: Füchse, Nagetiere und andere Wildtiere spielen bei verschiedenen Parasiten eine wichtige Rolle als Wirte oder Reservoir.
Tierhaltung: Freigänger-Katzen, Jagdhunde und Hunde mit regelmäßigem Kontakt zu Wildtieren haben teilweise andere Risiken als Tiere, die überwiegend in der Wohnung leben.
Reisen und Tierimporte: Parasiten können durch Hunde und Katzen aus anderen Regionen oder Ländern eingeschleppt werden.
Regionale Unterschiede entstehen somit aus dem Zusammenspiel von Umweltbedingungen, Tierpopulationen und menschlichen Aktivitäten.
1. Zecken: Inzwischen ein deutschlandweites Risiko
Zecken gehören zu den wichtigsten äußeren Parasiten von Hunden und Katzen. Sie können nicht nur Hautreaktionen verursachen, sondern auch Krankheitserreger übertragen.
In Deutschland sind insbesondere zwei Arten relevant.
Gemeiner Holzbock (Ixodes ricinus)
Der Gemeine Holzbock kommt in weiten Teilen Deutschlands vor. Er bevorzugt geeignete, häufig feuchte Lebensräume und findet sich unter anderem in Wäldern, an Waldrändern, auf Wiesen und in Gärten.
Zu den durch diese Zeckenart übertragbaren Krankheitserregern gehören unter anderem Borrelien und Anaplasmen.
Die Aktivität hängt stark von den Witterungsbedingungen ab. Bei milden Temperaturen können Zecken auch außerhalb der klassischen Frühjahr- und Sommermonate aktiv sein.
Deshalb ist die Annahme, Zeckenschutz sei ausschließlich im Sommer notwendig, nicht zuverlässig.
Wiesenzecke (Dermacentor reticulatus)
Besonders bemerkenswert ist die Entwicklung der Wiesenzecke, auch als Auwaldzecke bekannt.
Eine 2022 veröffentlichte wissenschaftliche Untersuchung analysierte insgesamt 3.292 eingesandte Dermacentor-Zecken aus Deutschland. Davon wurden 2.515 Exemplare als Dermacentor reticulatus identifiziert.
Die Forschenden konnten diese Zeckenart in allen 16 Bundesländern nachweisen. Sogar aus Schleswig-Holstein lagen entsprechende Funde vor.
Damit ist die früher auf bestimmte Regionen begrenzte Verbreitung deutlich überholt.
Die Untersuchung basierte allerdings auf freiwillig eingesandten Zecken. Die Anzahl der Einsendungen aus einem Bundesland erlaubt deshalb keine direkte Aussage darüber, wo das Risiko für einen einzelnen Hund am höchsten ist.
Quelle: Springer et al. (2022), Update and prognosis of Dermacentor distribution in Germany
Babesiose: Regionale Infektionsherde verändern sich
Die Wiesenzecke kann den Erreger Babesia canis übertragen. Dieser verursacht bei Hunden die potenziell lebensbedrohliche Babesiose.
Zu den möglichen Symptomen gehören:
- Fieber und ausgeprägte Abgeschlagenheit
- Appetitlosigkeit
- Blasse Schleimhäute
- Dunkel verfärbter Urin
- Blutarmut und Kreislaufprobleme
Eine 2024 veröffentlichte Studie untersuchte 5.913 Wiesenzecken, die zwischen 2019 und 2023 in Deutschland gesammelt worden waren.
In fünf Exemplaren wurde DNA von Babesia canis nachgewiesen. Das entspricht rund 0,08 Prozent der untersuchten Zecken.
Die positiven Proben stammten aus:
- Freiburg im Breisgau (Baden-Württemberg)
- Landkreis St. Wendel (Saarland)
- Landkreis Mansfeld-Südharz (Sachsen-Anhalt)
- Landkreis Ravensburg (Baden-Württemberg)
- Fürth (Bayern)
Bei dem Fund aus Fürth deutete die Reisegeschichte des betroffenen Hundes darauf hin, dass die Zecke möglicherweise aus dem Breisgau mitgebracht worden war.
Wichtig: Die 0,08 Prozent beschreiben ausschließlich den Anteil positiver Zecken in dieser Untersuchung. Sie stellen weder eine bundesweite repräsentative Infektionsrate noch die Wahrscheinlichkeit dar, nach einem Zeckenstich an Babesiose zu erkranken.
Die Ergebnisse zeigen jedoch, dass der Erreger nicht ausschließlich in historisch bekannten Verbreitungsgebieten vorkommt.
2. Lungenwürmer beim Hund: Unterschiede zwischen Regionen
Lungenwürmer sind ein weiteres Beispiel dafür, dass Parasiten innerhalb Deutschlands unterschiedlich häufig nachgewiesen werden.
Besonders relevant sind:
- Angiostrongylus vasorum
- Crenosoma vulpis
Angiostrongylus vasorum besiedelt bei Hunden unter anderem die Lungenarterien und das rechte Herz. Infektionen können Husten, Atembeschwerden, Leistungsschwäche und in schweren Fällen Blutgerinnungsstörungen verursachen.
Die Übertragung erfolgt insbesondere über infizierte Schnecken beziehungsweise andere geeignete Zwischen- oder Transportwirte.
Was zeigen Untersuchungen aus Deutschland?
Eine 2017 veröffentlichte wissenschaftliche Auswertung untersuchte geografische Unterschiede bei Lungenwurminfektionen von Hunden anhand von Kotproben aus den Jahren 2003 bis 2015.
Im gesamten untersuchten Probenmaterial wurden bei rund 2,3 Prozent der Proben Larven von Angiostrongylus vasorum und bei rund 2,2 Prozent Larven von Crenosoma vulpis nachgewiesen.
Dabei zeigten sich räumliche Unterschiede.
Höhere Anteile positiver Proben für Angiostrongylus vasorum wurden unter anderem in bestimmten Postleitzahlgebieten folgender Bundesländer beobachtet:
- Baden-Württemberg
- Rheinland-Pfalz
- Saarland
- Nordrhein-Westfalen
- Berlin und Brandenburg
Für Crenosoma vulpis fanden sich teilweise andere räumliche Muster, darunter Gebiete im Osten Deutschlands mit höheren Nachweisanteilen.
Die Untersuchung zeigt, dass selbst zwei Lungenwurmarten regional unterschiedlich verbreitet sein können.
Die Daten stammen allerdings aus dem Zeitraum 2003 bis 2015 und können nicht als aktuelle regionale Risikokarte für 2026 verwendet werden. Außerdem handelte es sich um untersuchte Kotproben und nicht um eine repräsentative Stichprobe sämtlicher Hunde.
3. Lungenwürmer bei Katzen: Keine Region ist nachweislich frei
Auch Katzen können von Lungenwürmern betroffen sein.
Eine wichtige Art ist Aelurostrongylus abstrusus. Die Infektion kann unter anderem Husten, Atembeschwerden oder Veränderungen im Lungengewebe verursachen. Manche Katzen zeigen trotz Infektion zunächst keine auffälligen Symptome.
Eine 2021 veröffentlichte Studie untersuchte 2.998 Blutproben von Katzen aus verschiedenen Teilen Deutschlands.
Bei 361 Katzen wurden Antikörper gegen Aelurostrongylus abstrusus nachgewiesen.
Das entspricht einer Antikörper-Positivrate von 12,0 Prozent.
Die Forschenden fanden positive Proben aus verschiedenen Regionen Deutschlands.
Zwar unterschieden sich die gemessenen Anteile zwischen einzelnen Bundesländern, die statistischen Unsicherheiten waren teilweise jedoch erheblich. Ein statistisch gesicherter Unterschied zwischen den Bundesländern konnte nicht nachgewiesen werden.
Das bedeutet: Die Studie erlaubt kein belastbares Ranking der Bundesländer nach dem Infektionsrisiko für Katzen.
Außerdem zeigt ein Antikörpernachweis einen Kontakt des Immunsystems mit dem Parasiten an und beweist nicht zwangsläufig eine zum Untersuchungszeitpunkt aktive Infektion.
Die Ergebnisse unterstreichen dennoch, dass der Katzenlungenwurm nicht als ausschließlich regionales Problem betrachtet werden sollte.
Besonders bei Freigänger-Katzen mit Jagdverhalten ist das individuelle Risiko relevant.
4. Fuchsbandwurm: Süddeutschland als historischer Schwerpunkt
Der Kleine Fuchsbandwurm (Echinococcus multilocularis) ist aus gesundheitlicher Sicht besonders bedeutsam.
Sein Hauptendwirt ist der Fuchs. Auch Hunde können als Endwirte infiziert werden. Katzen spielen nach Angaben des Robert Koch-Instituts bei der Verbreitung eine deutlich geringere Rolle.
Der natürliche Entwicklungszyklus umfasst vor allem Füchse und kleine Nagetiere.
Hunde können sich beispielsweise infizieren, wenn sie infizierte Nagetiere fressen.
Für Menschen ist der Parasit relevant, weil die versehentliche Aufnahme infektiöser Eier zur alveolären Echinokokkose führen kann. Diese seltene Erkrankung kann schwere Organschäden verursachen.
Welche Regionen sind besonders relevant?
Das Robert Koch-Institut beschreibt ein historisch hochendemisches Gebiet, das insbesondere folgende Regionen umfasst:
- Baden-Württemberg
- Bayern
- Nordschweiz
- Westösterreich
- Ostfrankreich
Auch außerhalb dieser Regionen kommt der Parasit vor.
Daher darf die geografische Schwerpunktbildung nicht mit einer Beschränkung auf Süddeutschland gleichgesetzt werden.
Für Hunde mit regelmäßigem Kontakt zu Wildnagern ist die mögliche Aufnahme infizierter Beutetiere ein wichtiger Risikofaktor.
Die europäische veterinärparasitologische Fachorganisation ESCCAP empfiehlt bei entsprechend exponierten Hunden in Endemiegebieten eine gezielte, engmaschige Bekämpfung des Fuchsbandwurms. Die konkrete Entwurmungsstrategie sollte mit einer Tierarztpraxis festgelegt werden.
Quelle: Robert Koch-Institut – Echinokokkose
Weitere Informationen: ESCCAP – Empfehlung zur Helminthenbekämpfung
5. Flöhe und Giardien: Nicht jede Infektion folgt geografischen Grenzen
Nicht alle Parasiten lassen sich sinnvoll auf bestimmte Bundesländer eingrenzen.
Bei Flöhen und Giardien sind insbesondere die Haltungsbedingungen und das unmittelbare Umfeld der Tiere entscheidend.
Flöhe können das ganze Jahr auftreten
Flöhe kommen deutschlandweit vor und können Hunde ebenso wie Katzen befallen.
Dabei ist der Katzenfloh (Ctenocephalides felis) nicht ausschließlich auf Katzen spezialisiert. Auch Hunde können von dieser Art betroffen sein.
Im Freien begünstigen geeignete Temperaturen die Entwicklung. In beheizten Wohnungen können sich Flöhe allerdings auch während der Wintermonate vermehren.
Ein Flohbefall ist deshalb kein Problem, das ausschließlich in warmen oder südlichen Bundesländern auftritt.
Darüber hinaus befinden sich große Teile der Flohpopulation in Form von Eiern, Larven und Puppen in der Umgebung des Tieres.
Bei einem Befall müssen daher gegebenenfalls auch Liegeplätze, Textilien und andere betroffene Bereiche berücksichtigt werden.
Quelle: ESCCAP – Flöhe bei Hunden und Katzen
Giardien: Tierkontakt und Hygiene sind wichtige Faktoren
Giardien sind einzellige Darmparasiten, die sowohl Hunde als auch Katzen infizieren können.
Eine Ansteckung erfolgt vor allem über die Aufnahme infektiöser Zysten aus einer kontaminierten Umgebung.
Dazu gehören beispielsweise verunreinigtes Wasser, Gegenstände und Flächen.
Besonders bei jungen Tieren und in Einrichtungen mit engem Tierkontakt können Giardien eine wichtige Rolle spielen.
Dazu zählen unter anderem:
- Tierheime
- Zuchten
- Tierpensionen
- Haushalte mit mehreren Tieren
Typische Krankheitszeichen sind wiederkehrender oder anhaltender Durchfall und Veränderungen der Kotbeschaffenheit. Infektionen können jedoch auch ohne erkennbare Symptome verlaufen.
Eine pauschale Einteilung Deutschlands in Bundesländer mit hohem und niedrigem Giardienrisiko wäre anhand der verfügbaren Daten nicht ausreichend abgesichert.
Quelle: ESCCAP – Giardien beim Hund
6. Sandmücken und Reisekrankheiten: Besonders der Süden Europas ist relevant
Bei einigen Parasiten spielt weniger der deutsche Wohnort als vielmehr die Reisegeschichte eines Tieres eine entscheidende Rolle.
Ein bekanntes Beispiel ist die Leishmaniose.
Sie wird durch Parasiten der Gattung Leishmania verursacht, die von geeigneten Sandmücken übertragen werden können.
Leishmaniose
In Europa liegen wichtige Verbreitungsgebiete insbesondere im Mittelmeerraum.
Dazu gehören beispielsweise:
- Spanien
- Portugal
- Italien
- Griechenland
In Deutschland wurden ebenfalls Sandmücken nachgewiesen, unter anderem in südwestlichen Regionen.
Eine wissenschaftliche Untersuchung aus dem Jahr 2025 dokumentierte Vorkommen der Sandmückenart Phlebotomus mascittii im Oberrheingebiet.
Der Nachweis einer Sandmückenart allein bedeutet jedoch nicht, dass dort eine regelmäßige Übertragung von Leishmania infantum zwischen heimischen Tieren stattfindet.
Aus diesem Grund sollten Vorkommen möglicher Überträger und tatsächlich dokumentierte Infektionsgebiete getrennt betrachtet werden.
Bei Hunden mit Herkunft aus oder Aufenthalten in südlichen europäischen Ländern ist eine entsprechende Reiseanamnese besonders wichtig.
Quelle: The knowns and unknowns of phlebotomine sand flies in selected countries of Central Europe (2025)
Herzwürmer
Der Herzwurm Dirofilaria immitis wird durch Stechmücken übertragen und kann schwere Erkrankungen bei Hunden verursachen.
In Deutschland gilt die lokal erworbene Herzwurminfektion derzeit nicht als verbreitet.
Deutlich relevanter sind Reisen oder die Herkunft aus bestimmten Regionen Süd- und Südosteuropas.
Auch importierte Hunde können bereits infiziert sein, ohne unmittelbar deutliche Krankheitszeichen zu zeigen.
Bei geplanten Reisen in entsprechende Gebiete sollte deshalb rechtzeitig ein tierärztlicher Präventionsplan erstellt werden.
Quelle: ESCCAP – Herzwürmer beim Hund
7. Regionale Unterschiede im Überblick
Die folgende Tabelle fasst die wichtigsten wissenschaftlich dokumentierten Muster zusammen.
Sie ist ausdrücklich keine vollständige Risikokarte und kein Ranking der Bundesländer.
| Region | Dokumentierte Besonderheiten | Einordnung |
|---|---|---|
| Gesamtes Bundesgebiet | Nachweise verschiedener Zeckenarten, Flöhe und verbreiteter Darmparasiten | Grundsätzlich überall relevant |
| Baden-Württemberg und Saarland | Historische Babesioseherde; zusätzliche Nachweise aus weiteren Gebieten | Regional dokumentierte Erregervorkommen |
| West- und Südwestdeutschland | In älteren Untersuchungen teilweise höhere Nachweisanteile bestimmter Hundelungenwürmer | Historischer Datenbefund, kein aktuelles Ranking |
| Bayern und Baden-Württemberg | Historischer Schwerpunkt des Kleinen Fuchsbandwurms | Besonders für die Bewertung des Wildtierkontakts relevant |
| Nord- und Ostdeutschland | Wiesenzecken nachgewiesen; einzelne zusätzliche Babesia-canis-Nachweise | Kein grundsätzlich zeckenfreies Gebiet |
| Gesamtes Bundesgebiet | Antikörper gegen Katzenlungenwürmer in verschiedenen Regionen nachgewiesen | Keine statistisch gesicherte Rangfolge der Länder |
| Mittelmeerraum und Teile Südosteuropas | Wichtige Verbreitungsgebiete verschiedener Reiseparasiten | Bei Auslandsaufenthalten und Importtieren besonders relevant |
Die Tabelle verdeutlicht, dass unterschiedliche Parasiten auch unterschiedliche geografische Muster zeigen.
Gleichzeitig lässt sich daraus kein einheitliches „gefährlichstes Bundesland“ für Hunde und Katzen ableiten.
8. Wie zuverlässig sind regionale Parasitenkarten?
Regionale Parasitenkarten können für Tierarztpraxen und Tierhalter eine wertvolle Informationsquelle sein.
Ihre Aussagekraft hängt jedoch wesentlich davon ab, wie die zugrunde liegenden Daten erhoben wurden.
Die Organisation ESCCAP stellt interaktive Karten bereit, die Ergebnisse diagnostischer Untersuchungen bei Hunden und Katzen geografisch aufbereiten.
Sie zeigen beispielsweise Daten zu Giardien, Spulwürmern und verschiedenen durch Parasiten übertragenen Infektionen.
Dabei ist ein wichtiger Unterschied zu beachten:
Der Anteil positiver Labortests ist nicht automatisch gleichbedeutend mit dem Anteil infizierter Tiere in der gesamten Region.
Dafür gibt es mehrere Gründe:
- Kranke oder auffällige Tiere werden möglicherweise häufiger untersucht als gesunde.
- In einzelnen Regionen stehen unterschiedlich viele Proben zur Verfügung.
- Importierte Tiere können bereits vor ihrer Ankunft infiziert gewesen sein.
- Unterschiedliche Diagnoseverfahren liefern nicht immer unmittelbar vergleichbare Ergebnisse.
- Die geografische Zuordnung einer Probe muss nicht dem tatsächlichen Infektionsort entsprechen.
Eine Region mit vielen positiven Testergebnissen kann daher sowohl eine höhere tatsächliche Infektionshäufigkeit als auch eine intensivere Untersuchung bestimmter Tiergruppen aufweisen.
Für belastbare regionale Vergleiche wären möglichst repräsentative und methodisch einheitliche Untersuchungen notwendig.
Die ESCCAP-Karten sind hier abrufbar:
Interaktive Parasiten- und Infektionskarten von ESCCAP
9. Wie können Hunde- und Katzenhalter ihre Tiere schützen?
Ein wirksamer Parasitenschutz berücksichtigt nicht nur den Wohnort, sondern das gesamte Risikoprofil eines Tieres.
Zecken regelmäßig kontrollieren
Nach Aufenthalten im Freien sollten Hunde und Freigänger-Katzen gründlich auf Zecken untersucht werden.
Besonders sorgfältig sollten Kopf, Ohren, Hals, Achselbereiche und andere schwer einsehbare Körperstellen kontrolliert werden.
Gefundene Zecken sollten möglichst zeitnah mit einem geeigneten Werkzeug entfernt werden.
Ob ein ganzjähriger medikamentöser Zeckenschutz sinnvoll ist, hängt unter anderem von der regionalen Zeckenaktivität und der Lebensweise des Tieres ab.
Wurmkontrolle individuell planen
Nicht jeder Hund und jede Katze benötigt automatisch dieselbe Entwurmungsstrategie.
Ein erhöhtes Risiko kann beispielsweise bei folgenden Verhaltensweisen bestehen:
- Regelmäßiges Jagen und Fressen von Nagetieren
- Kontakt zu Wildtierkadavern
- Aufnahme von Schnecken oder anderen Zwischenwirten
- Verzehr von rohem Fleisch oder Innereien
- Häufiger Aufenthalt in Gebieten mit dokumentierten Parasitenvorkommen
Je nach Risiko kommen regelmäßige Kotuntersuchungen, gezielte Entwurmungen oder eine Kombination infrage.
Wichtig ist, dass eine gewöhnliche Entwurmung nicht zwangsläufig gegen sämtliche Wurmarten wirkt.
Flohbefall frühzeitig erkennen
Häufiges Kratzen, Hautreizungen oder kleine dunkle Kotkrümel im Fell können auf Flöhe hinweisen.
Ein Flohkamm kann bei der Kontrolle helfen.
Bei nachgewiesenem Befall sollte auch die Umgebung des Tieres berücksichtigt werden.
Reisen vorbereiten
Vor Reisen in südliche oder südöstliche europäische Länder sollten Tierhalter rechtzeitig klären, welche dort vorkommenden Parasiten für ihr Tier relevant sind.
Je nach Reiseziel können besondere Schutzmaßnahmen gegen Stechmücken, Sandmücken, Zecken oder bestimmte Würmer notwendig sein.
Nur geeignete Tierarzneimittel verwenden
Arzneimittel zur Parasitenbekämpfung müssen ausdrücklich für die jeweilige Tierart geeignet sein.
Besonders wichtig: Bestimmte permethrinhaltige Zecken- und Flohmittel für Hunde können bei Katzen schwere, lebensbedrohliche Vergiftungen verursachen.
Deshalb dürfen Hundepräparate niemals ohne ausdrückliche tierärztliche Freigabe bei Katzen angewendet werden.
Quelle: Bundestierärztekammer – Warnung vor Permethrinvergiftungen bei Katzen
Häufige Fragen zu regionalen Parasitenrisiken
In welchem Bundesland gibt es die meisten Zecken?
Eine verlässliche bundesweite Rangliste ist nicht verfügbar. Die Anzahl nachgewiesener Zecken hängt von Umweltbedingungen, Erhebungsmethoden und Untersuchungsintensität ab. Auch innerhalb eines Bundeslandes können starke lokale Unterschiede bestehen.
Sind Hunde in Süddeutschland stärker durch Parasiten gefährdet?
Nicht grundsätzlich. Für bestimmte Parasiten wie den Kleinen Fuchsbandwurm sind historische süddeutsche Schwerpunkte dokumentiert. Andere Parasiten, darunter verschiedene Zeckenarten, kommen dagegen deutschlandweit vor.
Können Wohnungskatzen ebenfalls Parasiten bekommen?
Ja. Auch Wohnungskatzen können beispielsweise Flöhe oder bestimmte Darmparasiten bekommen. Das Risiko hängt von möglichen Eintragswegen, weiteren Tieren im Haushalt und anderen individuellen Faktoren ab.
Gibt es im Winter keine Zecken?
Doch. Einige Zeckenarten können bei geeigneten Temperaturen auch während der kalten Monate aktiv sein. Insbesondere die Wiesenzecke ist nicht auf die klassische Sommersaison beschränkt.
Sind Hunde aus dem Ausland häufiger von besonderen Parasiten betroffen?
Je nach Herkunft können andere Parasiten relevant sein als bei Hunden, die ausschließlich in Deutschland gelebt haben. Insbesondere bei Hunden aus Mittelmeerländern oder bestimmten osteuropäischen Regionen sollten Herkunft und mögliche Vorinfektionen tierärztlich berücksichtigt werden.
Wann sollte ich mit meinem Tier zum Tierarzt?
Bei anhaltendem Durchfall, wiederkehrendem Husten, unerklärlicher Schwäche, Fieber oder anderen auffälligen Symptomen sollte eine tierärztliche Untersuchung erfolgen.
Nach einem Zeckenbefall sind insbesondere plötzlich auftretendes Fieber, starke Abgeschlagenheit, blasse Schleimhäute oder dunkel verfärbter Urin beim Hund ernst zu nehmende Warnsignale, die eine umgehende Untersuchung erfordern.
Akute Atemnot, Zusammenbrüche oder schwere Kreislaufprobleme sind Notfälle.
Fazit: Regionale Unterschiede sind wichtig – aber nicht allein entscheidend
Die wissenschaftlichen Daten zeigen, dass Parasiten bei Hunden und Katzen in Deutschland unterschiedlich verbreitet sind.
Während der Kleine Fuchsbandwurm historisch besonders in Süddeutschland bedeutsam ist, haben sich bestimmte Zeckenarten inzwischen über das gesamte Bundesgebiet ausgebreitet.
Auch bei Lungenwürmern zeigen Untersuchungen regionale Unterschiede. Für andere Parasiten lassen sich dagegen keine ausreichend belastbaren bundesweiten Ranglisten erstellen.
Besonders wichtig ist die Unterscheidung zwischen nachgewiesenen Parasiten, positiven Labortests und der tatsächlichen Infektionsgefahr eines einzelnen Tieres.
Für einen sinnvollen Parasitenschutz sollten daher immer mehrere Faktoren zusammen betrachtet werden: Wohnort, Lebensweise, Freigang, Jagdverhalten, Ernährung, Reisegeschichte und individuelle Gesundheit.
Ein regional angepasstes Schutzkonzept ist sinnvoll. Entscheidend bleibt jedoch die individuelle Risikobewertung durch die Tierarztpraxis.
Wissenschaftliche Quellen und weiterführende Informationen
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Springer et al. (2022): Update and prognosis of Dermacentor distribution in Germany: Nationwide occurrence of Dermacentor reticulatus. Frontiers in Veterinary Science. https://doi.org/10.3389/fvets.2022.1044597
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Springer et al. (2024): Germany-wide citizen science study reveals spread of Babesia canis-infected Dermacentor reticulatus ticks by dogs travelling within the country. Current Research in Parasitology & Vector-Borne Diseases. https://doi.org/10.1016/j.crpvbd.2024.100187
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GIS-supported epidemiological analysis on canine Angiostrongylus vasorum and Crenosoma vulpis infections in Germany (2017). Parasites & Vectors. https://doi.org/10.1186/s13071-017-2054-3
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Aelurostrongylus abstrusus Antibody Seroprevalence Reveals That Cats Are at Risk of Infection throughout Germany (2021). Pathogens. https://doi.org/10.3390/pathogens10081011
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Robert Koch-Institut: Echinokokkose (Hunde-, Fuchsbandwurm-Infektion). https://www.rki.de/DE/Themen/Infektionskrankheiten/Infektionskrankheiten-A-Z/E/Echinokokkose/Echinokokkose.html
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ESCCAP Deutschland: Helminthen – Empfehlungen zur Bekämpfung von Wurminfektionen bei Hunden und Katzen. https://www.esccap.de/empfehlung/helminthen-2/
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ESCCAP: Parasite Infection Maps. https://www.esccap.org/parasite-infection-map/
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ESCCAP Deutschland: Flöhe bei Hund und Katze. https://www.esccap.de/parasiten/floehe/
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ESCCAP Deutschland: Giardien beim Hund. https://www.esccap.de/parasiten/einzeller/giardien-beim-hund/
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ESCCAP Deutschland: Herzwürmer beim Hund. https://www.esccap.de/parasiten/sand-und-stechmuecken/herzwuermer-beim-hund/
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The knowns and unknowns of phlebotomine sand flies in selected countries of Central Europe (2025). PubMed. https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/41318587/
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Bundestierärztekammer / Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit: Trotz Verschreibungspflicht: Anstieg der Permethrinintoxikationen bei Katzen. https://www.bundestieraerztekammer.de/btk/dtbl/archiv/artikel.php?we_objectID=1602
Redaktioneller Hinweis: Dieser Beitrag basiert auf veterinärmedizinischen Fachleitlinien und veröffentlichten wissenschaftlichen Untersuchungen. Die Studien unterscheiden sich hinsichtlich Erhebungsjahr, Stichprobe und Untersuchungsmethode. Historische Ergebnisse werden nicht als aktuelle regionale Infektionsraten interpretiert. Der Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine individuelle tierärztliche Beratung.
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