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Marktanalyse 11

Tierärzte in Deutschland: Mehr Köpfe, aber nicht überall mehr Versorgung

Die Zahl der Tierärzte wächst. Doch Arbeitszeit, Tierart und regionale Verteilung entscheiden über die Versorgung. Was die Daten zu möglichen Engpässen zeigen – und was nicht belegt ist.

19. Oktober 2026 15 ausgewertete Quellen Herausgeber: FellAkte Research

46.089

kammerregistrierte Tierärzte Ende 2025

34.476

davon tierärztlich tätig – Kopfzahl, keine Vollzeitäquivalente

Zusammenfassung

Deutschland hat nach den verfügbaren Daten keinen nachgewiesenen bundesweiten Tierärztemangel im Sinne sinkender Kopfzahlen. Ende 2025 waren laut Bundestierärztekammer (BTK) 46.089 Tierärzte registriert, davon 34.476 tierärztlich tätig. Gegenüber 2022 nahm die Gesamtzahl um 3,3 % zu.

Gleichzeitig verändert sich die Praxislandschaft: 12.125 Praxisassistenten standen 2025 nur noch 11.216 Niedergelassenen gegenüber. Arbeitszeit, Tierartenspezialisierung, regionale Verteilung und Notfalldienst bestimmen mit, wie viel Versorgung tatsächlich verfügbar ist. Die Kammerstatistik zählt Personen, liefert aber keine belastbaren bundesweiten Vollzeitäquivalente (FTE).

Die stärkste direkte Evidenz für regionale Versorgungsrisiken stammt aus der Nutztiermedizin in Bayern. Andere Studien dokumentieren hohe Arbeitsbelastung und Risiken für die Mitarbeiterbindung. Ein bundesweiter Fehlbedarf lässt sich daraus nicht beziffern: Es fehlen vergleichbare Daten zu Arbeitsstunden, offenen Stellen, Wartezeiten und Erreichbarkeit.

Forschungsstand: 19. Oktober 2026. Die Analyse unterscheidet beobachtete Befunde, nicht repräsentative Befragungsergebnisse und Modellprognosen.

Zahlen & Statistiken: Registriert und tierärztlich tätig

JahrKammermitgliederTierärztlich tätig
202244.618–
202345.16333.845
202445.64534.364
202546.08934.476
Veränderung 2024–2025+444 (+0,97 %)+112 (+0,33 %)

Warum mehr Köpfe nicht automatisch mehr Kapazität bedeuten

Von den 46.089 Kammermitgliedern waren 2025 11.613 Personen nicht, nicht mehr oder ohne Entgelt tierärztlich tätig. Dazu zählen unter anderem 7.103 Ruheständler, 1.667 Personen ohne Berufsausübung, 1.167 berufsfremd Tätige, 686 Arbeitslose, 252 unbezahlte Doktoranden beziehungsweise Hospitanten und 738 Personen in Elternzeit (BTK Statistik 2025).

Nur 25,2 % des Nettozuwachses der Kammermitgliedschaft von 2024 auf 2025 entfielen rechnerisch auf tierärztlich Tätige: 112 von insgesamt 444 zusätzlichen Personen. Auch diese Tätigen sind nicht ausschließlich in Praxen beschäftigt; die Statistik umfasst etwa Forschung, Industrie und öffentlichen Dienst.

Für diese Analyse werden Niedergelassene, Praxisassistenten und Praxisvertreter als praktisch Tätige zusammengefasst: 11.216 + 12.125 + 205 = 23.546 Personen, also 68,3 % aller tierärztlich Tätigen. Das bleibt eine Kopfzahl. Eine Person mit 20 und eine mit 50 Wochenstunden zählen jeweils als eine Person.

Nicht nachgewiesen: Ob die verfügbare Arbeitszeit bundesweit steigt oder sinkt und ob sie dem Bedarf entspricht. Dafür müssten Arbeitsstunden, Behandlungsaufkommen und regionale Erreichbarkeit gemeinsam erfasst werden.

Vom Praxisinhaber zum Angestellten

Gruppe20232025
Niedergelassene11.43711.216
Praxisassistenten11.42912.125
Assistenten minus Niedergelassene−8+909

Arbeitszeit & Arbeitsbedingungen

Eine freiwillige Onlinebefragung von bis zu 1.184 angestellten Tierärzten zwischen September und Dezember 2025 zeigt, wie wenig eine Kopfzahl über Arbeitszeit aussagt: 54,6 % der Befragten hatten einen Vertrag über weniger als 38 Wochenstunden, gleichzeitig berichteten knapp 70 % von Überstunden (Jensen et al. 2026).

39,7 % gaben an, mindestens wöchentlich bei Arbeitstagen ab sechs Stunden keine 30-minütige Pause nehmen zu können. 17,1 % arbeiteten mindestens wöchentlich mehr als zehn Stunden täglich. Teilzeitvertrag und hohe tatsächliche Belastung können also zusammen auftreten.

Diese Ergebnisse sind nicht repräsentativ. Kurativ Tätige und Frauen waren in der Stichprobe überrepräsentiert; die Teilzeitquote darf nicht auf alle angestellten Tierärzte hochgerechnet werden.

Eine weitere Querschnittsstudie mit 386 angestellten Kleintierärzten fand einen Zusammenhang zwischen beruflicher Belastung und Wechselabsicht. Eine günstigere Arbeitsatmosphäre war mit geringerer Wechselabsicht verbunden (Engelke & Merle 2026, Befragung 2023). Das stützt die Bedeutung von Arbeitsbedingungen für die Bindung, belegt aber keine Kausalität.

Interpretation: Verfügbare Arbeitsstunden und ihre Verteilung sind für die Versorgung entscheidend. Dass der Wechsel in Angestelltenverhältnisse oder Teilzeit einen bundesweiten Mangel verursacht, ist mit diesen Daten nicht nachgewiesen.

Welche Tierarten betreuen Niedergelassene?

TätigkeitsangabePersonenDatenstand
Nur Kleintiere5.9302025
Nur Pferde9892025
Nur Nutztiere7182025
Kleintiere + Pferde7632025
Nutztiere + Pferde2252025
Nutztiere + Kleintiere2.0142025
Alle drei Tierartengruppen2542025
Summe ausgewiesener Zusatzangaben10.8932025
Rechnerisch ohne Zuordnung3232025

Nutztiermedizin & regionale Versorgungsrisiken

Unter Einbeziehung der Mischkategorien waren mindestens 3.211 Niedergelassene mit Nutztierbeteiligung erfasst: 718 + 225 + 2.014 + 254. Das entspricht rechnerisch 28,6 % aller Niedergelassenen. Nur 718 beziehungsweise 6,4 % waren ausschließlich für Nutztiere ausgewiesen. Mischpraxen spielen damit zahlenmäßig eine wesentliche Rolle (BTK Statistik 2025; eigene Berechnung).

Die Tierartenangaben sind unvollständig. Besonders bei den 12.125 Praxisassistenten fehlen Angaben mehrerer Kammerbereiche. Eine vollständige nationale Aufteilung nach Klein-, Pferde- und Nutztiermedizin oder nach Arbeitszeit ist deshalb nicht möglich.

Das Bayerische Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) und die LMU München kombinierten 2020/21 Kammerdaten, Tierbestände und Befragungen. Damals galt die Nutztierversorgung in den meisten bayerischen Regierungsbezirken als ausreichend. Für 2025 prognostizierte das Modell jedoch je nach Teilzeit- und Altersentwicklung regionale Unterversorgung.

Prognose ist kein beobachteter Ist-Zustand: Die vorliegende Recherche identifizierte zum Forschungsstand Oktober 2026 keine öffentliche Ex-post-Validierung dieser Prognose. Die Ergebnisse sind zudem nicht auf ganz Deutschland übertragbar.

Aus den 17 Kammerzeilen der BTK ergeben sich für 2025 rechnerisch 10.385 Tierarztpraxen und 129 Tierkliniken. Mehrere Praxiszahlen sind geschätzt, Definitionen unterscheiden sich regional. Diese Summe misst weder freie Behandlungskapazität noch Erreichbarkeit. Auch eine Region ohne gemeldete Tierklinik kann einen Notdienst über Praxen oder benachbarte Einrichtungen organisieren.

Regionale Entwicklung der Kammermitgliedschaft

Kammerbereich20242025
Baden-Württemberg4.6504.729
Bayern8.8278.938
Berlin2.3602.315
Brandenburg1.9291.935
Bremen188191
Hamburg634654
Hessen3.3023.382
Mecklenburg-Vorpommern1.2621.248
Niedersachsen6.8196.872
Nordrhein3.8823.975
Westfalen-Lippe3.4223.457
Rheinland-Pfalz1.5161.502
Saarland373374
Sachsen2.1392.180
Sachsen-Anhalt1.1701.129
Schleswig-Holstein2.1792.214
Thüringen993994
Deutschland45.64546.089

Warum diese Zahlen kein Versorgungsranking sind

Die Regionaltabelle umfasst alle Mitgliedsstatus, also auch Ruheständler und Personen außerhalb der Praxis. Steigende Mitgliedszahlen bedeuten deshalb nicht automatisch einen besseren Patientenzugang; ein Rückgang muss nicht die aktive Praxisversorgung betreffen.

Nordrhein-Westfalen ist kammerorganisatorisch in Nordrhein und Westfalen-Lippe aufgeteilt. Die Tabelle zeigt Kammerbereiche, keine einheitliche Rangliste von Bundesländern.

Für eine belastbare Versorgungskarte wären zusätzlich Standorte, Tierartenspektrum, Arbeitsstunden, Dienstzeiten und Fahrzeiten nötig. Die BTK-Mitgliedszahlen allein reichen dafür nicht aus.

Notfalldienst in der Beschäftigtenbefragung 2025

TätigkeitsbereichMit NotfalldienstDatenbasis
Alle Befragten mit Angaben75,2 %Freiwillige Befragung
Überwiegend Pferdemedizin93,0 %Befragte der Teilgruppe
Überwiegend Nutztiermedizin89,5 %Befragte der Teilgruppe
Überwiegend Kleintiermedizin73,0 %Befragte der Teilgruppe
Nichtkurative Tätigkeit28,1 %Befragte der Teilgruppe

Notfallversorgung & öffentliches Veterinärwesen

In der Beschäftigtenbefragung leisteten 875 Personen Notfalldienst. Unter den hierzu antwortenden Notfalldienstleistenden berichteten 27,2 % beziehungsweise 232 Personen von mindestens fünf Nachtdiensten im Monat. Die Zahl gültiger Antworten variiert je Frage. Wegen der überproportionalen Teilnahme kurativ Tätiger sind die Ergebnisse nicht auf alle deutschen Tierärzte übertragbar (Jensen et al. 2026).

Die Befragung zeigt eine erhebliche Arbeitskomponente, misst aber nicht, welche Regionen nachts oder am Wochenende ausreichend versorgt sind. Eine bundesweit vergleichbare Fahrzeit- oder Wartezeitenstatistik wurde in der vorliegenden Recherche nicht identifiziert.

Im öffentlichen Dienst erfasste die BTK 2025 1.447 beamtete und 5.958 angestellte Tierärzte, zusammen 7.405 Personen. Diese Kategorien umfassen auch Hochschulen, Institute und Untersuchungsämter – nicht ausschließlich kommunale Amtstierärzte.

Eine Befragung amtlicher Tierärzte mit 838 Antworten und einem Rücklauf von etwa 26 % dokumentierte hohe quantitative und emotionale Anforderungen sowie erhöhte Burnout-bezogene Belastungswerte gegenüber Referenzwerten anderer Beschäftigtengruppen (Jensen & Merle 2024). Das weist auf Risiken für Rekrutierung und Bindung hin, ist aber kein Nachweis einer bestimmten bundesweiten Stellenunterdeckung.

Steigt der Bedarf einfach durch immer mehr Tiere?

IVH und ZZF weisen für 2025 33,4 Millionen Hunde, Katzen, Kleinsäuger und Ziervögel aus: 15,7 Millionen Katzen, 10,0 Millionen Hunde, 4,4 Millionen Kleinsäuger und 3,3 Millionen Ziervögel. In 43 % der Haushalte lebte mindestens ein Heimtier; Fische und Terrarientiere kommen zusätzlich hinzu. Grundlage ist eine Befragung von 5.000 Haushalten, keine amtliche Vollzählung.

Die vorliegende Forschung beschreibt die Heimtierzahl seit 2018 als relativ stabil auf einem Niveau um 34 Millionen. Destatis erfasste 2023 rund 161.700 landwirtschaftliche Betriebe mit Tierhaltung, etwa 63 % aller landwirtschaftlichen Betriebe. Die Zahl der Rinderhaltungen sank zwischen 2010 und 2020 von rund 144.000 auf 108.000.

Die einfache Erklärung „immer mehr Tiere verursachen einen Tierärztemangel“ wird dadurch nicht gestützt. Weniger Tiere oder Betriebe bedeuten aber nicht automatisch weniger Versorgungsaufwand. Entfernungen, spezialisierte Bestandsbetreuung, Fallkomplexität und zeitliche Verfügbarkeit können den Bedarf verändern. Tierbestände dienen hier nur als Nachfragekontext, nicht als direkter Bedarfsindex.

Tiermedizinischer Nachwuchs: Bestandene Staatsprüfungen

JahrBestanden insgesamtZusammensetzung*
2003820805 + 15
2013981953 + 28
2019928891 + 37
2020922881 + 41
2021908872 + 36
2022881841 + 40
2023933872 + 61
2024911864 + 47
2025905847 + 58

Studienabschlüsse sind noch keine verfügbare Praxisversorgung

*Die Zusammensetzung zeigt bestandene Staatsprüfungen von Personen mit deutscher + ohne deutsche Staatsangehörigkeit. Fehlende Zwischenjahre wurden nicht interpoliert. Im Mittel der Jahre 2021–2025 bestanden 907,6 Personen pro Jahr die Prüfung. Der Wert 2025 lag 10,4 % über 2003 und 7,7 % unter 2013 (eigene Berechnungen aus BTK-Daten).

Die jährlichen Abschlüsse bewegen sich damit überwiegend in einer Größenordnung um 900. Daraus allein lässt sich weder ein ausreichender Nachwuchs noch eine bestimmte Unterdeckung ableiten. Entscheidend ist auch, in welchen Tätigkeitsfeldern und Regionen Absolventen arbeiten und wie lange sie dort bleiben.

Riemann, Hoedemaker und Jensen befragten 157 Absolventen des Jahrgangs 2023 aller fünf deutschen Fakultäten. 48 % wollten unmittelbar nach dem Abschluss in einer Praxis arbeiten, 63 % sahen sich nach fünf Jahren dort. Kleintiermedizin war das bevorzugte Praxisfeld, gefolgt von Pferdemedizin. Nur 42 % strebten noch dasselbe Tätigkeitsfeld an wie vor Studienbeginn.

Der Rücklauf von etwa 17 % erlaubt keine belastbare Hochrechnung. Die Befragung erfasst Berufspläne, keine später beobachteten Berufsverläufe. Ein zusätzlicher Studienplatz entspricht deshalb nicht automatisch einem zusätzlichen Nutztier-, Notfall- oder Praxistierarzt.

Methodik & Grenzen der Daten

Die Analyse verwendet 14 Hauptquellen und eine ergänzende Kontextstudie. Die BTK-Jahresstatistiken bilden die Grundlage für Kopfzahlen und Tätigkeitsstatus. Mehrere BTK-Veröffentlichungen werten dieselben Kammerdaten aus und sind daher keine unabhängigen Bestätigungen. Die ergänzende PLOS-ONE-Studie von Schwerdtfeger et al. (2024) ordnet Arbeitsbelastung und psychische Gesundheit ein; sie quantifiziert keine Versorgungslücke.

Relative Veränderungen wurden als (neuer Wert − alter Wert) / alter Wert × 100 berechnet. Summen, Differenzen und Mittelwerte sind als eigene Berechnungen gekennzeichnet. Befragungswerte werden nicht auf die Gesamtpopulation hochgerechnet; Prognosen werden von beobachteten Daten getrennt.

Die wesentlichen Grenzen:
  • Keine bundesweiten Vollzeitäquivalente: Kopfzahlen sagen nichts über die tatsächlich geleistete Arbeitszeit aus.

  • Keine harmonisierte Zugangsstatistik: Offene Stellen, Besetzungsdauer, Wartezeiten, Neuaufnahme von Patienten und Notdienst-Fahrzeiten sind nicht bundesweit vergleichbar erfasst.

  • Unvollständige Tierartenangaben: Besonders bei angestellten Praktikern fehlen regionale Zuordnungen.

  • Unterschiedliche Praxis- und Klinikdefinitionen: Teilweise geschätzte Einrichtungszahlen sind kein präziser Kapazitätsindikator.

  • Freiwillige Querschnittsbefragungen: Selbstselektion und ungleiche Teilnahme begrenzen Repräsentativität; Zusammenhänge beweisen keine Ursachen.

  • Regional begrenzte Prognose: Die Bayern-Studie darf weder als bundesweiter Befund noch als bestätigter Ist-Zustand 2025 gelesen werden.

  • Tierbestände als Näherungsgröße: Haushaltsbefragungen und landwirtschaftliche Bestandszahlen messen keine Behandlungsfälle.
  • Nicht belastbar ableitbar sind eine exakte Zahl „fehlender Tierärzte“, eine pauschale Unterversorgung aller ländlichen Regionen oder Teilzeit als bewiesene Hauptursache. Auch der steigende Frauenanteil ist kein kausaler Nachweis für Versorgungsengpässe.

    Einordnung & Fazit

    Die Kopfzahl wächst, die tatsächliche Versorgung bleibt unvollständig vermessen. Deutschland hat eine vergleichsweise gute Berufsstandsstatistik, aber keine gleichwertige Versorgungsstatistik. Steigende Mitgliedszahlen schließen regionale oder fachliche Engpässe nicht aus.

    Gut gestützt sind der Strukturwandel hin zur Anstellung sowie Belastungs- und Bindungsrisiken in den untersuchten Berufsgruppen. Für die bayerische Nutztiermedizin existiert eine regionale Modellanalyse. Wie groß ein bundesweiter Fehlbedarf ist, lässt sich aus diesen Daten nicht quantifizieren.

    Für belastbare Versorgungsplanung braucht es Arbeitsstunden nach Tätigkeitsfeld, geografisch verortete Praxen mit Tierartenspektrum, Dienstzeiten, freie Stellen, Warte- und Fahrzeiten sowie Berufsverläufe von Absolventen. Eine aktualisierte Überprüfung der bayerischen Prognose wäre ein weiterer wichtiger Schritt.

    Die präzise Schlussfolgerung lautet: Es gibt deutliche Hinweise auf Arbeitszeit-, Verteilungs- und Strukturprobleme. Ein flächendeckender, bundesweit bezifferter Tierärztemangel ist damit nicht nachgewiesen.

    Zitierfähige Kernaussagen

    1. 1.

      „Ende 2025 waren in Deutschland 46.089 Tierärzte kammerregistriert; 34.476 waren tierärztlich tätig. Beide Werte sind Kopfzahlen, keine Vollzeitäquivalente. (BTK Statistik 2025)“

    2. 2.

      „Die Zahl der Kammermitglieder stieg zwischen 2022 und 2025 um 3,3 %. Daraus lässt sich kein gleich großer Zuwachs verfügbarer Versorgungskapazität ableiten. (BTK; eigene Berechnung)“

    3. 3.

      „2025 standen 12.125 Praxisassistenten 11.216 Niedergelassenen gegenüber. 2023 waren beide Gruppen nahezu gleich groß. (BTK 2023/2025)“

    4. 4.

      „Die bayerische Nutztierstudie prognostizierte regionale Versorgungsrisiken für 2025. Eine öffentliche nachträgliche Validierung wurde in der vorliegenden Recherche nicht identifiziert. (LGL/LMU; Forschungsstand Oktober 2026)“

    5. 5.

      „Ein bundesweiter Fehlbedarf lässt sich ohne vergleichbare Arbeitszeit-, Vakanz-, Erreichbarkeits- und Wartezeitdaten nicht seriös beziffern. (Einordnung von FellAkte Research)“

    Quellen & Bewertung

    BTK – Statistik 2025: Tierärzteschaft in Deutschland (2026)

    Stichtag 31.12.2025; belastbar für Kopfzahlen. Keine FTE, lückenhafte Tierartenangaben und teilweise geschätzte Praxiszahlen.

    Vertrauensw. hoch

    BTK – Statistik-Archiv (2002–2025)

    Jährliche Kammerstatistiken und Bildungsdaten; Erfassungsmerkmale über lange Zeiträume nicht vollständig vergleichbar.

    Vertrauensw. hoch

    Susanne Platt / BTK – Entwicklung der Deutschen Tierärzteschaft der letzten 20 Jahre (2024)

    Berufsständische Auswertung 2003–2023; keine unabhängige zusätzliche Erhebung, nicht peer-reviewt. Dokumentiert Grenzen der Arbeitszeitdaten.

    Vertrauensw. hoch

    BTK – Deutlicher Trend zum Angestelltenverhältnis (2024)

    Kammerzahlen für 2022/2023; Interpretation durch die Berufsorganisation, dieselbe Datenbasis wie die Jahresstatistik.

    Vertrauensw. hoch

    BTK – Tierärztliche Berufsausübung im Wandel (2025)

    Tätigkeits- und Mitgliederzahlen 2024; keine unabhängige Bestätigung der zugrunde liegenden Kammerstatistik.

    Vertrauensw. hoch

    Bayerisches LGL / LMU – Veterinärmedizinische Versorgung von Nutztieren in Bayern (2023)

    Offizielle regionale Bedarfsanalyse mit Daten 2020/21. Prognose für 2025 abhängig von Datenqualität und Modellannahmen; nicht bundesweit übertragbar.

    Vertrauensw. hoch

    Bayerisches LGL – Zusammenfassung des Forschungsprojekts (2023)

    Vertiefung desselben Bayern-Projekts, keine zweite unabhängige Studie. Öffentliche Ex-post-Validierung der Prognose in dieser Recherche nicht identifiziert.

    Vertrauensw. mittel

    Riemann, Hoedemaker & Jensen – Future plans of veterinary graduates in Germany in 2023 (2025)

    Frontiers in Veterinary Science; 157 Absolventen, etwa 17 % Rücklauf. Freiwillige Onlinebefragung zu Berufsplänen, keine Verlaufsdaten.

    Vertrauensw. mittel

    Jensen et al. – Working Conditions, Salary, and Job Satisfaction of Employed Veterinarians (2026)

    Veterinary Sciences 13(5):494; Erhebung Sep.–Dez. 2025, bis n=1.184. Freiwillige Stichprobe mit variierenden Antwortzahlen; kurativ Tätige und Frauen überrepräsentiert.

    Vertrauensw. mittel

    Engelke & Merle – Workplace factors associated with intention to change jobs (2026)

    Preventive Veterinary Medicine 255:106953; n=386 angestellte Kleintierärzte, Befragung 2023. Querschnittsstudie; Zusammenhang ist kein Kausalnachweis.

    Vertrauensw. mittel

    Jensen & Merle – Survey on Psychosocial Conditions of Official Veterinarians in Germany (2024)

    Animals 14(13):1975; 838 Antworten, etwa 26 % Rücklauf. Psychosoziale Belastung ist kein direkter Indikator für unbesetzte Stellen.

    Vertrauensw. mittel

    Destatis – Agrarstrukturerhebung 2023 (2024)

    Amtliche Daten zu 161.700 landwirtschaftlichen Betrieben mit Tierhaltung; Bestandsstruktur misst keine tierärztliche Leistungsmenge.

    Vertrauensw. hoch

    Destatis – Entwicklung der Tierhaltung 2010–2020 (2021)

    Amtliche Langfristdaten zur Tierhaltungsstruktur, unter anderem Rinderhaltungen. Keine direkte Messung tierärztlicher Inanspruchnahme.

    Vertrauensw. hoch

    IVH / ZZF – Der Deutsche Heimtiermarkt 2025

    Datenjahr 2025; Skopos-Befragung von 5.000 Haushalten. Verbands- und Marktforschungsdaten, keine amtliche Tierzählung.

    Vertrauensw. mittel

    Schwerdtfeger, Glaesmer & Bahramsoltani – High overcommitment and low reward (2024)

    PLOS ONE; ergänzende Kontextstudie zu Arbeitsumfeld und psychischer Belastung. Nicht zur Quantifizierung von Versorgungslücken verwendet.

    Vertrauensw. mittel

    Diese Zusammenfassung basiert auf öffentlich zugänglichen Studien und Umfragen Dritter. FellAkte hat diese Daten kompiliert und kommentiert, erhebt jedoch keine eigenen Primärdaten im Rahmen dieses Berichts. Alle Quellen sind im Abschnitt „Quellen & Bewertung“ ausgewiesen.

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