Warum werden Hunde und Katzen in Deutschland abgegeben?
Überforderung, Kosten, Verhaltensprobleme: 69 % der Tierheime sind mindestens sehr hoch ausgelastet. Eine Analyse der Abgabegründe und der Tierheim-Krise in Deutschland.
69 %
der Tierheime mindestens sehr hoch ausgelastet
55 %
nennen finanzielle Belastung als Abgabegrund
Zusammenfassung
Die Abgabe von Hunden und Katzen in Deutschland hat seit dem Corona-Boom stark zugenommen. Tierheime sind massiv überlastet: 69 % der befragten Einrichtungen berichten mindestens sehr hohe Auslastung, nur 18 % haben noch freie Kapazitäten (Deutscher Tierschutzbund, 218 befragte Tierheime, Mai 2024).
Die häufigsten Abgabegründe laut PURINA Tierheimreport 2025 (227 befragte Einrichtungen): 67 % nennen persönliche oder gesundheitliche Umstände der Halter, 66 % Verhaltensprobleme der Tiere, 55 % finanzielle Belastung und 52 % Zeitmangel oder Überforderung.
Hintergrund: Viele Tiere wurden während der Pandemie impulsiv angeschafft. Mit der Rückkehr zur Normalität - Rückkehr ins Büro, Reisen, gestiegene Kosten durch Inflation und GOT-Novelle - stiegen die Abgabezahlen deutlich. 82 % der Tierheime berichten seit 2022 einen Anstieg der aufzunehmenden Tiere.
Tierheim-Auslastung und Aufnahmen
| Kennzahl | Anteil | Stichprobe / Zeitraum |
|---|---|---|
| Tierheime mit mindestens sehr hoher Auslastung | 69 % | 218 befragte Tierheime, Mai 2024 |
| Voll oder übervoll | 49 % | 218 befragte Tierheime, Mai 2024 |
| Mit noch Kapazitäten | 18 % | 218 befragte Tierheime, Mai 2024 |
| Anstieg zu betreuender Tiere seit 2022 | 82 % | 218 befragte Tierheime, Mai 2024 |
| Am Limit | 66 % | 227 befragte Einrichtungen, Feb-Apr 2025 |
| Überbelegt | 17 % | 227 befragte Einrichtungen, Feb-Apr 2025 |
| Anstieg Aufnahmen (deutlich oder stark) | 81 % (davon 42 % stark) | 227 befragte Einrichtungen, 2023-2025 |
| Geschätzte jährliche Neuaufnahmen (alle Tierarten) | ca. 350.000 | Schätzung |
Häufigste Abgabegründe (PURINA Tierheimreport 2025)
| Abgabegrund | Anteil | Stichprobe |
|---|---|---|
| Persönliche oder gesundheitliche Umstände der Halter | 67 % | 227 befragte Tierheime, 2025 |
| Verhaltensprobleme der Tiere | 66 % | 227 befragte Tierheime, 2025 |
| Finanzielle Belastung | 55 % | 227 befragte Tierheime, 2025 |
| Zeitmangel / Überforderung | 52 % | 227 befragte Tierheime, 2025 |
Detailanalyse
Nachwirkungen des Corona-Booms: Zwischen 2020 und 2022 stieg die Haustierzahl in Deutschland sprunghaft an. Viele Anschaffungen erfolgten impulsiv - ohne Erfahrung, Vorbereitung oder Einschätzung der langfristigen Kosten. Als Lockdowns endeten, Homeoffice zurückging und Reisen wieder möglich wurden, stiegen die Abgabezahlen. 82 % der Tierheime berichten seit 2022 einen deutlichen Anstieg der aufzunehmenden Tiere.
Hund vs. Katze: Hunde werden häufiger wegen Verhaltensproblemen abgegeben - Beißvorfälle, Aggression, Unverträglichkeit in der Wohnsituation. Katzen landen häufiger als Fundtiere oder wegen ungewolltem Nachwuchs bei fehlender Kastration. Mehrkatzenhaushalte tragen überproportional zum Anstieg bei.
Finanzielle Ursachen: Die GOT-Reform von 2022 hat Tierarztkosten deutlich erhöht. 44 % der Tierheime berichten steigende Abgaberaten direkt als Reaktion darauf. Gleichzeitig stiegen Futter- und Zubehörpreise durch die allgemeine Inflation. Halter, die an ihrem Budget-Limit operieren, geben das Tier zuerst auf.
Demografische Muster: Ältere Halter geben häufiger aus gesundheitlichen oder persönlichen Gründen ab - Krankheit, Umzug ins Pflegeheim, Todesfall. Junge Halter und Familien dominieren die Gruppe "Überforderung und Zeitmangel". Eine belastbare bundesweite Statistik fehlt - alle Zahlen basieren auf Tierheim-Befragungen, nicht auf einer amtlichen Erfassung.
Zitierfähige Fakten
- 1.
„69 % der Tierheime hatten mindestens sehr hohe Auslastung - nur 18 % hatten noch Kapazitäten. (Deutscher Tierschutzbund, 218 befragte Einrichtungen, Mai 2024)"
- 2.
„82 % der befragten Tierheime berichten einen Anstieg der zu betreuenden Tiere seit 2022. (Deutscher Tierschutzbund, 2024)"
- 3.
„67 % nennen persönliche oder gesundheitliche Umstände als Abgabegrund, 66 % Verhaltensprobleme. (PURINA Tierheimreport 2025, 227 befragte Einrichtungen)"
- 4.
„Finanzielle Belastung wird von 55 % der Tierheime als Abgabegrund genannt - Zeitmangel und Überforderung von 52 %. (PURINA Tierheimreport 2025)"
- 5.
„81 % der Tierheime verzeichneten einen Anstieg der aufgenommenen Tiere in den vergangenen zwei Jahren - 42 % einen starken Anstieg. (PURINA Tierheimreport 2025)"
- 6.
„66 % der Tierheime sind am Limit, 17 % überbelegt. (PURINA Tierheimreport 2025)"
- 7.
„Schätzungsweise 350.000 Tiere werden jährlich neu in deutschen Tierheimen aufgenommen. (Tierschutzbund)"
- 8.
„Überforderung nach unüberlegter Anschaffung ist einer der häufigsten Abgabegründe. (Deutscher Tierschutzbund)"
Quellen & Bewertung
Deutscher Tierschutzbund Trendumfrage (Mai 2024)
Branchenumfrage unter 218 angeschlossenen Tierheimen; Primärdaten direkt von Einrichtungsbetreibern
PURINA Tierheimreport Deutschland 2025
Repräsentative Umfrage (quotiert nach Bundesländern, 227 Einrichtungen); detaillierte Abgabegründe-Erhebung
IVH/ZZF Heimtierstudie 2025
Repräsentativ für Gesamtmarkt (5.000 befragte Haushalte); liefert Kontext zu Tierbestandszahlen
Tierschutzbund-Pressemeldungen und Berichte (2024-2026)
Primärquellen-basiert; ergänzt Trendumfrage-Daten mit qualitativen Einschätzungen
Diese Zusammenfassung basiert auf öffentlich zugänglichen Studien und Umfragen Dritter. FellAkte hat diese Daten kompiliert und kommentiert, erhebt jedoch keine eigenen Primärdaten im Rahmen dieses Berichts. Alle Quellen sind im Abschnitt „Quellen & Bewertung" ausgewiesen.
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