Was stresst Tierbesitzer am meisten beim Tierarztbesuch?
Kosten, Angst um das Tier, Wartezeiten: Wir haben untersucht, welche Faktoren Tierarztbesuche für Halter zur Belastung machen - und was dagegen hilft.
71 %
nennen Kosten als Hauptgrund für verpasste Termine
47 %
gehen seit GOT-Einführung seltener zum Tierarzt
Zusammenfassung
Tierhalter sind beim Tierarztbesuch vor allem durch hohe Kosten und finanzielle Unsicherheit belastet. In einer aktuellen US-Studie (Gallup/PetSmart, 2025, 2.498 Befragte) gaben 71 % der Tierhalter, die empfohlene Behandlungen ausließen, an, dass Kosten der Hauptgrund waren. 29 % nannten den Besuch als zu stressig für das Tier.
In Deutschland zeigt das Trendbarometer GOT (2023, 5.095 Befragte): 61 % der deutschen Tierhalter haben gestiegene Tierarztkosten dazu gebracht, Leistungen kritischer zu überdenken oder abzulehnen. 47 % gehen seitdem seltener zum Tierarzt.
Neben finanziellen Sorgen spielt die Angst um das Tier eine große Rolle: 17 % der Katzenhalter und 13 % der Hundebesitzer besuchen den Tierarzt nur bei offensichtlicher Krankheit - oft um Stress durch Transport und Wartezimmer zu vermeiden.
Weitere Stressoren: lange Wartezeiten, unklare Kommunikation über Kosten und Behandlungsschritte sowie fehlende Terminerinnerungen seitens der Praxis.
Kennzahlen: Allgemeine Stressfaktoren
| Kennzahl / Indikator | Anteil | Stichprobe |
|---|---|---|
| Haustierbesitzer, die empfohlene Versorgung ausgesetzt oder abgelehnt haben (12 Monate) | 52 % | USA, 2.498 Befragte, Nov 2024-Jan 2025 |
| Davon: Kosten als Hauptgrund | 71 % | Wie oben |
| Davon: Zu stressig/unpraktisch für das Tier | 29 % | Wie oben |
| Deutsche Tierhalter: gestiegene Kosten → Leistung überdacht oder abgelehnt | 61 % | D, 5.095 Befragte, Okt 2023 |
| Deutsche Tierhalter: seit GOT-Anpassung weniger Tierarztbesuche | 47 % | Wie oben |
| Hundebesitzer: Tierarztkosten über Budget | 21 % | D, 461 Befragte, Sep 2023 |
| Tierhalter gesamt: Budget als gut finanzierbar eingestuft | 75 % | D, ca. 1.000 Befragte, Sep 2023 |
Kennzahlen: Hund vs. Katze
| Kennzahl | Hund | Katze |
|---|---|---|
| Gehen nur bei erkennbarer Krankheit zum Tierarzt | 13 % | 17 % |
| Seltener als 1× pro Jahr beim Tierarzt | 15 % | 27 % (davon 6 % nie) |
| 1-3 Tierarztbesuche pro Jahr | 68 % | 57 % (1-2×) |
| Tierarztkosten 100-500 € pro Jahr | 45 % | 41 % |
| Tierarztkosten über 500 € pro Jahr | ~10 % | ~10 % |
Detailanalyse
Finanzielle Belastung: Kosten und fehlende Kostentransparenz sind der dominierende Stressfaktor. In Deutschland haben 61 % der Halter seit der neuen GOT (Gebührenordnung für Tierärzte, 2022) Leistungen kritischer bewertet - 47 % gehen seitdem weniger zum Tierarzt. Zwar stufen 75 % aller Halter ihr Budget als finanzierbar ein, doch 21 % der Hundebesitzer gaben an, die Kosten lägen über Plan. Laut Gothaer zahlen 45 % der Hundehalter und 41 % der Katzenhalter jährlich 100-500 € beim Tierarzt.
Angst um das Tier: Viele Halter - besonders Katzenbesitzer - meiden Routinebesuche, weil sie Transport und Warteraum als massiven Stress für das Tier erleben. 17 % der Katzenhalter und 13 % der Hundebesitzer gehen nur bei offensichtlicher Krankheit zur Praxis. Fachpublikationen weisen darauf hin, dass viele Halter "Vorbehalte" haben, ihre Katze ohne Anlass vorzustellen - weil es für das Tier und den Besitzer "massiven Stress" bedeutet.
Wartezeiten und Organisation: Konkrete Messzahlen zu Wartezeiten fehlen in den verfügbaren deutschen Studien. Fachbeiträge empfehlen, Wartezeiten für ängstliche Tiere kurz zu halten und katzenfreundliche Wartebereiche anzubieten. Laut Focus-Tierarzt legen viele Praxen den Folge- oder Erinnerungstermin direkt beim Besuch fest - was die Compliance nachweislich erhöht.
Kommunikation und Vertrauen: Unklare Kostenaufstellungen und fehlende Aufklärung über Behandlungsschritte gelten als weiterer Belastungsfaktor. Empathische, klare Beratung ("Shared Decision Making") erhöht die Zufriedenheit nachgewiesenermaßen. Halter, die wissen, was sie erwartet, zeigen weniger Vermeidungsverhalten.
Stressranking (Zusammenfassung): Über alle Quellen ergibt sich: Kosten (häufigster Stressor) → Angst um das Tier (Transport, Untersuchung) → Organisationsthemen (Terminplanung, Kommunikation, Wartezeiten).
Zitierfähige Fakten
- 1.
„71 % der Tierhalter, die empfohlene Leistungen ausließen, nannten explizit Kosten als Hauptgrund. (Gallup/PetSmart, 2025)"
- 2.
„52 % der Haustierbesitzer haben mindestens einmal empfohlene tierärztliche Versorgung aus finanziellen Gründen abgelehnt. (Gallup/PetSmart, 2025)"
- 3.
„29 % der Halter gaben an, es sei zu stressig oder unpraktisch für das Tier - als Grund für ausgelassene Behandlungen."
- 4.
„61 % der deutschen Tierhalter haben gestiegene Tierarztkosten dazu gebracht, vorgeschlagene Leistungen kritisch zu überdenken. (Trendbarometer GOT, 2023)"
- 5.
„47 % der deutschen Halter haben seit Einführung der neuen Gebührenordnung ihre Tierarztbesuche reduziert."
- 6.
„17 % der Katzenbesitzer und 13 % der Hundebesitzer gehen nur bei erkennbarer Krankheit zum Tierarzt."
- 7.
„Nur 40 % der Katzen erhalten regelmäßige Gesundheitsvorsorge. (Royal Canin / Zooplus, 2023)"
- 8.
„11 % der US-Tierhalter kennen jemanden, der sein Haustier wegen Geldmangels abgeben musste. (Gallup/PetSmart, 2025)"
Quellen & Bewertung
Gallup / PetSmart Charities (2025)
Repräsentative Online-Umfrage (2.498 Befragte, USA); Gründe für ausgelassene Tierarztbesuche
Gothaer / Forsa Haustierstudie (2023)
Repräsentative Befragung (1.000 Befragte, Deutschland); Besuchsfrequenz und Ausgaben
Trendbarometer GOT-Umfrage (2023)
Große Erhebung (5.095 Befragte, D), aber nicht repräsentativ (höherer Frauen- und Pferdehalteranteil)
DA-Direkt / infas Haustierstudie (2023)
Online-Umfrage (ca. 1.000 Befragte, D); frische Daten zu Haltungskosten und finanziellem Empfinden
Focus Tierarzt (Fachmagazin, 2023)
Praxisnaher Artikel mit Expertenmeinung zu Terminmanagement; keine Statistik
Thieme team.konkret (Fachartikel, 2016)
Fachzeitschrift; Hintergrundwissen zu Halter-Mythen (z. B. Stressfurcht bei Katzen)
Stiftung Warentest (2010)
Hochwertige Verbraucherumfrage (5.500 Befragte), aber veraltet; zeigt frühe Kostentransparenz-Problematik
Diese Zusammenfassung basiert auf öffentlich zugänglichen Studien und Umfragen Dritter. FellAkte hat diese Daten kompiliert und kommentiert, erhebt jedoch keine eigenen Primärdaten im Rahmen dieses Berichts. Alle Quellen sind im Abschnitt „Quellen & Bewertung" ausgewiesen.
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